MMP Experten-Blog:
Wie geht es mit der Luftfahrt weiter? Von Dr. Gerald Wissel

6. November 2020


Durch die Corona Krise durchläuft weltweit die Luftfahrt eine ihrer größten Krisen. Das Angebot wurde teilweise um 80-90 Prozent reduziert - Einerseits aufgrund eines Rückganges der Nachfrage und andererseits aufgrund von weitreichenden staatlichen Einschränkungen.

 

Wie viele Unternehmen nutzt aber auch die Luftfahrtbranche die Krise, um sich zu verschlanken und Maßnahmen zu ergreifen, die ohne einen solchen Anlass nur schwer durchsetzbar gewesen wären. Somit unterstützen Aussagen aus der Branche, dass es frühestens zu einer Erholung 2024/25 kommen wird, in erster Linie dieses Vorgehen.

 

Ich persönlich gehe davon aus, dass wir bereits ab Ostern nächsten Jahres wieder einen Aufschwung erleben werden, der spätestens 2022 das Niveau von 2019 erreichen wird. Voraussetzung ist eine weitreichende und wirksame Impfung, Verfügbarkeit und Wirksamkeit von Schnelltests sowie eine grundsätzliche Eindämmung des Viruses.

 

Geringeres verfügbares Einkommen aufgrund von Kurzarbeit oder auch Entlassungen scheinen bei der Nachfrage nach privaten Flugreisen - dem stärksten Segment in der Luftfahrt - kaum eine Rolle zu spielen. Auch der Einsatz von Videokonferenzen ist zwar aktuell attraktiv, kostengünstig und allgemein akzeptiert, wird aber mittelfristig nicht zu einem signifikanten Ersatz von geschäftlichen Reisen führen, da der persönliche Kontakt in vielerlei Hinsicht ein Erfolgskriterium bleiben wird: Messen, Kongresse, Tagungen, Verhandlungen, Wartungen, Reparaturen, Installationen etc. erfordern auch in Zukunft eine persönliche Präsenz vor Ort.

 

Darüber hinaus wird es allerdings eine andere interessante Entwicklung geben: Während regionale Strecken aus Umweltgründen zunehmend auf die Schiene verlagert werden, wird der urbane Verkehr in den nächsten 10-20 Jahren immer mehr auch in der Luft stattfinden.